Myotubuläre Myopathie (MTM1)

Was ist Myotubuläre Myopathie?

Die Myotubuläre Myopathie (MTM) ist die häufigste und auch meist schwerste zentronukleäre Myopathie und betrifft durch die x-chromosomale Vererbung  meist nur Jungen. Die Häufigkeit wird auf 1:50.000 männliche Neugeborene geschätzt.

Vor der Geburt äußert sich die Erkrankung meist nur durch viel Fruchtwasser (Polyhydramnion) und verringerte Kindsbewegungen. Meist bleiben diese Symptome jedoch unbeachtet und erst nach der Geburt werden die die geringe Muskelkraft (Hypotonie, “floppy infant”) und unzureichende Atmung (respiratorische Insuffizienz) bemerkt.

Die Symptome der myotubulären Myopathie können sehr unterschiedlich in ihrer Ausprägung sein. Die geringe Muskelkraft führt in der Regel zu Problemen beim Atmen und beim Schlucken/Nahrungsaufnahme. Viele Betroffene benötigen daher eine Beatmung  und sind auf die Ernährung per Sonde angewiesen. Zusätzlich wird ein (elektrischer) Rollstuhl benötigt.

Viele Jungen mit myotubulärer Myopathie weißen eines oder mehrere der folgenden Merkmale auf: eine lange, schmale Kopfform, einen hoher Gaumen, Unbeweglichkeit der Augen (Ophthalmoparesis), hängende Lider (Ptosis), Hodenhochstand (Maldescensus testis), Körpergröße größer als 90% der gleichalten Jungen.

Neben der Myopathie können auch noch andere Symptome auftreten. So werden in der Literatur die Magenausgangsstenose (nur im Säuglingsalter), Nierenprobleme (Nierensteine und Nierenverkalkung), Leberprobleme (Blutungsneigung, Gefäßanomalien ), kieferorthopädische Probleme, Skoliose und gehäuft auftretende spontane Knochenbrüchen beschrieben. Außerdem kann Kurzsichtigkeit auftreten.
Behandlungs- und Therapieoptionen sind lediglich unterstützend möglich und basieren auf einer multidisziplinären Herangehensweise (Neuropädiatrie/Neurologe, Humangenetiker, Lungenarzt, Internist, Orthopäde, Augenarzt). Regelmäßig sollten die Kinder auch auf die oben genannten möglichen Begleiterkrankungen untersucht werden.
Wichtig ist außerdem die regelmäßige Physiotherapie, um die Muskelkraft und Muskelfunktion zu erhalten und Kontrakturen vorzubeugen. Hier erscheinen vor allem rumpfstabilisierende Übungen als hilfreich. Besonders Schwimmen/Übungen im Wasser und Reittherapie werden empfohlen.

Wie wird Myotubuläre Myopathie vererbt?

IMG_1051Quelle: Wikipedia

Die Myotubuläre Myopathie folgt einem x-chromosomal rezessiven Erbgang, das heißt, dass das  MTM1-Gen mit der Mutation  auf einem der  X-Chromosome der Mutter liegt, genau gesagt auf dem langen Arm eines X-Chromosomes in der Position Xq28.

Bei 10-20% der Fälle kommt es jedoch zu einer de novo Mutation im MTM1 Gen, das heißt die Mutter ist nicht Anlageträgerin.

Wie wird die Myotubuläre Myopathie diagnostiziert?

In den meisten Fällen wird nach Ausschluss anderer Erkrankungen eine Muskelbiopsie gemacht. Ein kleiner teil des Muskels wird entnommen und unter dem Miksoskop betrachtet. Dabei fallen dann Unterschiede zum “normalen Bild” auf: Bei Menschen mit einer zentronukreären Myopathie befinden sich die Zellkerne nicht am Rand der Muskelzellen, sondern in der Mitte (sieh auch Erklärung von J. Böhm) . Nach der Muskelbiopsie bleiben als mögliche Ursachen für die Muskelschwäche nur noch 3 bis 5 Gene (MTM1, DNM2, BIN, RYR1… – die Gene für die zentronukleären Myopathien. Wenn die Symptome des Kindes sehr schwer und von Geburt an sichtbar sind und wenn es sich um einen betroffenen Jungen handelt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich die Mutation im MTM1 – Gen befindet. Dieses Gen wird deswegen als ersten untersucht.

Durch den Fortschritt im Bereich der Genanalyse wird auch in manchen Fällen auf Verdachtsdiagnose hin ein Gentest veranlasst, auf einzelne Gene oder es findet eine Paneldiagnostik Anwendung, bei der viele Myopathiegene in einem Durchlauf auf eine ursächliche Mutation getestet werden.

Im Anschluss daran kann auch getestet werden, ob die Mutter Anlageträgerin ist oder nicht.

Was sind die molekularen Grundlagen von myotubulärer Myopathie?

Dazu haben deutsche und französische Forscher (u. a. Volker Haucke und Jocelyn Laporte) im Januar 2016 einen Artikel im renommierten Fachmagazin Nature veröffentlicht. Informationen darüber haben wir hier zusammengestellt.

Gibt es Therapieansätze, um myotubuläre Myopathie zu heilen?

Ja, es gibt einige vielversprechende Ansätze.
Am weitesten ist die Gentherapie, die im Herbst 2017 in die klinische Phase am Menschen übergangen ist übergegangen ist. Wahrscheinlich werden nach den ersten Test in den USA die klinische Studie auch auf  Europa (London und München) ausgedehnt.
Es gibt aber auch noch weitere Ideen zur Heilung von myotubulärer Myopathie.

 

Artikel zum Weiterlesen:

 

Quellen:

  • http://www.orpha.net/consor/cgi-bin/Disease_Search.php?lng=DE&data_id=364&Disease_Disease_Search_diseaseGroup=myotubulare-myopathie&Disease_Disease_Search_diseaseType=Pat&Krankheite(n)/Krankheitsgruppe=Myopathie–zentronukleare–X-chromosomale–Myotubulare-Myopathie-&title=Myopathie–zentronukleare–X-chromosomale–Myotubulare-Myopathie-&search=Disease_Search_Simple (Zugriff vom 18.09.2015)
  • http://rarediseases.org/rare-diseases/x-linked-myotubular-myopathy/ (Zugriff vom 18.09.2015)
  • Cahill, Patrick J.; Rinella, Anthony S.; Bielski, Robert J. (2007): Orthopaedic complications of myotubular myopathy. In Journal of pediatric orthopedics 27 (1), pp. 98–103. DOI: 10.1097/BPO.0b013e31802b6c73.
  • Jungbluth, Heinz; Wallgren-Pettersson, Carina; Laporte, Jocelyn (2008): Centronuclear (myotubular) myopathy. In Orphanet journal of rare diseases 3, p. 26. DOI: 10.1186/1750-1172-3-26.
  • Das SDowling JPierson CR.(2002):X-linked Centronuklear Myopathy.In Pagon RAAdam MPArdinger HHWallace SEAmemiya ABean LJHBird TDDolan CRFong CTSmith RJHStephens K, editors. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK1432/) GeneReviews®[Internet]. Seattle (WA): University of Washington, Seattle; 1993-2015. 2002 Feb 25 [updated 2011 Oct 06].

 

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